News zum Thema hate speech und fake news

Grenzüberschreitende Fehlinformationen

Wie die Recherche-Plattform EU DisinfoLab berichtet, verbirgt sich hinter der französischen Nachrichtenwebsite "FranceLibre24.net" eine Website, die sowohl in Polen erstellt wurde, als auch mit einem umstrittenen polnischen Netzwerk rechtsextremer Medien agiert. Autoren von FL24 nehmen regelmäßig Inhalte von seriösen Medien, ändern sie und veröffentlichen sie erneut auf FL24. Dabei werden unterschiedliche Titel und nicht nachgewiesene und / oder falsche Angaben verwendet. Laut EU DisinfoLab plant die Europäische Kommission für eben solche Fälle von Fehlinformationen aus der EU einen neuen künftigen Rahmen, den Europäischen Aktionsplan für Demokratie. Mehr Informationen: www.disinfo.eu 

Chatbots als beste Freunde?

Die Welt der Wissenschaften hat die Chatbots entdeckt. Programme, die eine Unterhaltung simulieren, wurden früher eingesetzt, um in Diskussionsforen Standardantworten zu generieren. Mittlerweile haben Chatbots (Kommunikationsroboter) auch andere Aufgaben übernommen, nicht zuletzt wurden sie für viele Menschen zu echten Freunden - und für manche sogar zur Therapie. PsychologInnen haben das Phänomen untersucht und warnen vor Gefahren, so die Wissenschaftsabteilung des österreichischen Nachrichtenmagazins ORF: https://science.orf.at/stories/2996822 

Kampf den Misinfodemien

Das Phänomen gesundheitsbezogener Fehlinformationen boomt. "Misinfodemien" verbreiten Meldungen über Epidemien, Nebenwirkungen von Medikamenten oder andere Aspekte des Gesundheitswesens, die nachweislich falsch sind. Eine Koalition von 50 Organisationen für LGBTQ, HIV / AIDS und öffentliches Gesundheitswesen verlangt nun vom Internetunternehmen Facebook die Entfernung von Werbung für gefährliche und falsche Informationen zur HIV-Prävention. Wir sind gespannt, wie Facebook reagieren wird! 
Quelle: www.glaad.org/releases/over-50-lgbtq-hivaids-and-public-health-organizations-demand-facebook-remove-ads-promoting 

International Migrants Day in der OSZE

18. Dez. – International Migrants Day in der OSZE in Wien. Botschafter Igli Hasani von Albanien (OSZE-Vorsitz 2020) macht auf die Herausforderungen der kommenden Jahre zum Thema Migration aufmerksam, unter anderem zählen hate speech und Radikalisierung zu den großen aktuellen Bedrohungen der Gesellschaft. Heute, am International Migrants Day, ist ein passender Tag um über die Probleme, mögliche Lösungsansätze und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft nachzudenken!

Was kosten die Likes?

Ein Projekt des NATO-Forschungsinstituts Strategic Communications Centre of Excellence (Stratcom) zeigt, wie schon 300 Euro ausreichen, um Likes und Follower zu kaufen – unterstützende Kommentare, Likes und Follower bei Facebook, Instagram, Twitter und YouTube. Dafür wurden in einem Experiment 16 Anbieter zur Manipulation Sozialer Netzwerke aus Russland und Europa angefragt – gekauft wurden dadurch 3.530 Kommentare, 25.750 Likes, 20.000 Views und 5.100 Follower, wird in der Studie berichtet. 18.739 Konten zur Manipulation von Sozialen Netzwerken seien dabei identifiziert worden. Jetzt wissen wir's, was es kostet!
Quelle: https://orf.at/stories/3146703/

Na wusch!

Fünf Millionen Euro soll die Nachrichtenagentur Bloomberg in New York wegen Verbreitung von Falsch-Nachrichten über einen französischen Baukonzern im Jahr 2016 zahlen. Bloomberg hatte eine gefälschte Pressemitteilung nicht als fake erkannt und weitergegeben, was zu einem Kurssturz der Vinci-Aktien geführt hatte. Durch die fehlende Überprüfung der Information habe die Agentur gegen journalistische Grundsätze verstoßen, so urteilte die französische Finanzaufsicht und verdonnerte das Medienunternehmen zur Millionen-Strafzahlung.
Quelle: https://orf.at/stories/3147848/

Neustart gegen Hassposter

Da sich Kriminalität zunehmend ins Internet verlagert, nehmen auch Angebote der Zivilgesellschaft für Schutz und Gegenwehr zu. Der Verein NEUSTART (Bewährungshilfe und Resozialisierung von Straffälligen) startete 2019 das Programm „Dialog statt Hass“ gegen Hasspostings im Internet. Der Einsatz von Neustart lohnt sich, denn "jeder verhinderte Rückfall bedeutet auch ein potenzielles Opfer weniger!"
Hier geht es zur Story auf ORF NÖ: https://noe.orf.at/stories/3024842 

Cranky Uncle

Rechtzeitig zu Weihnachten soll ein neues Spiel zur Medienkompetenz auf dem Markt erscheinen: "Cranky Uncle" zielt darauf ab, BenutzerInnen gegen den Klimawandel zu "impfen" - und gegen Desinformationen dazu. Denn wenn es um Klimawandel geht, ist die Entscheidung "fake oder nicht" immer eine Herausforderung. 
Cranky Uncle ist eine Zeichentrickfigur, die den Klimawandel leugnet und aufzeigt, wie Expertise gefälscht wird und Daten gesammelt werden. Indem Fälschungstechniken "erlernt" werden, sollen UserInnen diese später dann selbst leichter erkennen. Das Spiel über Klima-Desinformation impft solchermaßen gegen Fehlinformationen im Themenbereich. Zurzeit ist das Spiel noch in der Crowdfunding Suche - hoffen wir, es geht bald los.
Mehr Informationen dazu zum Beispiel hier: www.klimafakten.de/meldung/spielend-lernen-mit-cranky-uncle-neue-smartphone-app-soll-ueber-desinformations-strategien  und hier: www.theguardian.com/games/2019/dec/07/cranky-uncle-game-takes-on-climate-crisis-denial-and-fake-news 

Neujahrsbaby-Foto: Urteil gegen Hassrede

Nach grober Beschimpfung der Familie eines "Neujahrsbabys" auf Facebook, die zu einer Welle an Online-Hass geführt hatte, wurde nun ein Tiroler wegen Hasspostings verurteilt. Wie die Tageszeitung "derStandard" berichtet, handelt es sich normalerweise bei Beleidigung um ein Privatanklagedelikt. Eine Ausnahme besteht allerdings, wenn die beleidigende Aussage rassistisch oder fremdenfeindlich ist. Dann verfolgt das die Staatsanwaltschaft mit Ermächtigung des Opfers. Seit der Strafrahmen für Verhetzung 2015 verschärft wurde, kam es zu einem Anstieg der Schuldsprüche wegen Verhetzung.
Zum Artikel: www.derstandard.at/story/2000111094819/hasspostings-gegen-neujahrsbaby-tiroler-zu-geldstrafe-verurteilt 

Wie kann man Desinformation begegnen?

Der französische Think Tank Institut Montainge, die Allianz zur Sicherung der Demokratie (German Marshall Fund of the United States) und Stiftung Neue Verantwortung in Deutschland haben gemeinsam Empfehlungen erarbeitet, wie Deisnformation begegnet werden kann. Potenzielle Lösungen sollten nicht nur in der Moderation von Inhalten bestehen, auch Verhalten und Verbreitungsmethoden sollten berücksichtigt werden. Diese und weitere Empfehlungen sowie Hintergrundinformationen zu aktuellen Regulierungsbemühungen in Frankreich, Deutschland und den USA sowie eine kurze Analyse der Unterschiede im Umgang mit Fragen von Redefreiheit und Desinformation finden Sie hier (in Englisch): www.institutmontaigne.org/en/blog/tackling-disinformation-going-beyond-content-moderation 

Wirklich wahr!?

Simon Hadler, Leiter der orf.at Kulturredaktion, legt in seinem Buch "Wirklich wahr!" die Beziehung zwischen Fakten und Fake-News dar. Geschrieben hat er es, weil er sich im Rahmen seines Studiums (Kommunikations-, Politikwissenschaft und Kulturanthropologie, Schwerpunkt Migration, studierte in Wien und Lissabon) intensiv mit der Frage nach Wahrheit und Objektivität beschäftigt hat. Nachfolgend der Flüchtlingskrise wollte er seine Wahrnehmung über Hasspostings und Berichterstattung mit der Öffentlichkeit teilen - das Buch wurde ein Bestseller: 
www.hanser-literaturverlage.de/buch/wirklich-wahr/978-3-552-06350-1

Was ist nationalsozialistische Wiederbetätigung?

Was ist erlaubt, was ist verboten? In Österreich zählt die Verherrlichung nationalsozialistischer Inhalte als strafbare "Wiederbetätigung". Kritische Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit  ist nicht verboten, sondern nur das Gutheißen von NS-Gedankengut, die Leugnung von NS-Verbrechen oder die Darstellung verbotener Abzeichen und Uniformen. In anderen Ländern (z.B. USA) gibt es weniger rechtliche Grundlagen für die Verfolgung, da solche Aktivitäten unter „Recht auf Meinungs- und Redefreiheit“ fallen. Im Zweifelsfalle kann bei "Stopline", der Online-Meldestelle gegen sexuelle Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger und nationalsozialistischer Wiederbetätigung nachgefragt werden. An Stopline können sich alle anonym wenden, die auf Webseiten nationalsozialistische Anzeichen entdecken oder vermuten: www.stopline.at 

Erste Analyse der Selbsteinschätzung

Die ersten "Selbstbewertungsberichte" der Unterzeichnenden des EU-Verhaltenskodex für Desinformation (Google, Facebook, Twitter, Microsoft, Mozilla und andere) wurden Anfang November präsentiert. Die Europäische Kommission bemängelt allerdings, dass der Zugang zu den bislang zur Verfügung gestellten Daten nicht den Bedürfnissen unabhängiger ForscherInnen entspricht und es daher notwendig wäre, relevanten und datenschutzkonformen Zugang zu Datensätzen für Forschungszwecke zu erleichtern. Anfang 2020 wird die Kommission eine eigene umfassende Bewertung vorlegen. Kurbericht der Analyse: https://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=62698 

Meinungsfreiheit versus bezahlter Reichweite

Der Nachrichtendienst Twitter hat angekündigt, ab November keine politische Anzeigen mehr zu veröffentlichen. Die Diskussion um Meinungsfreiheit versus bezahlter Reichweite von Meldungen hat damit einen neuen Höhepunkt erreicht. Die globale NGO FirstDraft hat dazu einen spannenden Artikel verfasst, der die Herausforderungen in dieser Frage unter die Lupe nimmt: www.firstdraftnews.org

Plädoyer für Meinungsfreiheit

Im Festspielhaus St. Pölten wurden am 8. Nov. 2019 die Kulturpreise des Landes Niederösterreich verliehen. Gastredner Regisseur Nikolaus Habjan hielt dabei ein eindringliches Plädoyer für das Grundrecht auf Meinungsfreiheit und betonte die Verantwortung der KünstlerInnen in Zeiten gesellschaftlicher Veränderung für Humanismus und Menschenwürde.
www.nikolaushabjan.com

Hirn einschalten!

Das Ars Electronica Festival in Linz widmete sich 2019 dem digitalen Zeitalters, künstlicher Intelligenz, virtueller Realität und Diskussionen über „Fake News“. Im Fokus: die jungen Menschen. Unser ORF-Lieblings-Redakteur Simon Hadler verfasste dazu einen exzellenten Beitrag: https://orf.at/stories/3136212/

WhatsApp spielt mit dem Vertrauen

Die Kommunikation über WhatsApp spielt mittlerweile eine große Rolle für die Verbreitung von Desinformation und Hassmeldungen. Weil man die Verfassenden der Nachrichten meist persönlich kennt, gibt es den „Vertrauensvorschuss“, der bei facebook nicht immer vorhanden ist. Die Taskforce „East StratCom“, die beim Europäischen Auswärtigen Dienst angesiedelt ist, beschäftigt sich unter anderem verstärkt mit diesem Thema im Hinblick auf EU-Wahlen. Die Gruppe war gegründet worden, um Falschmeldungen aus russischen Quellen zu analysieren und sobald private Kommunikation öffentlich verfügbar wird, untersucht die StratCom auch die Herkunft.
Europäischer Auswärtigen Dienst: https://eeas.europa.eu

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