Stiftungen
in Österreich
Ein Informationsschwerpunkt
von The World of NGOs
News am Stiftungssektor in Österreich und Europa
Allgemeines
zur Einstiegs-Information
Stiftungen
stellen einen bedeutenden
Teilaspekt der Zivilgesellschaft dar.
In Österreich gibt es nach aktuellem Wissensstand insgesamt ca 4.000
Stiftungen.
Stiftungen verwalten insgesamt gesehen ein Riesenvermögen, besonders, seit
1993 das Privatstiftungsgesetz beschlossen wurde. Es erlaubte
neben den Bundes- und Landesstiftungen, deren Gemeinnützigkeit festgeschrieben
ist, auch Stiftungen für private Zwecke. Aber
während es in den meisten EU-Ländern eine rege Szene an privaten Stiftungen
für die Gemeinnützigkeit gibt, bekennt sich in Österreich nur
ein verschwindend kleiner Anteil der privaten Stiftungen zur Gemeinnützigkeit
- ca 5 - 10 %, um konkreter zu sein.
Für die Anliegen der Zivilgesellschaft ist in den
meisten Privatstiftungen also kein Platz. Das ist schade, denn der Sektor benötigt
durch den stetigen Rückzug des Staates aus der Finanzierung gesellschaftlicher
Aufgaben dringend mehr privates Kapital für soziale, kulturelle und sonstige
gesellschaftliche Zwecke.
Dieser Sektor stellt nach seiner quantitativen Dimension und Themenvielfalt eine bemerkenswerte wirtschafts- und gesellschaftspolitische Größe in Österreich dar - über 100.000 nicht gewinnorientierte Organisationen sind hier offiziell registriert, die Vereine zählen zu den bekanntsten Rechtsformen, das Recht auf Vereinsbildung wurde bereits 1867 gewährt. Die Rechtsform der Stiftungen wurde in ihrer Ausprägung und Bedeutung jedoch bisher nicht gebührend untersucht und erörtert. Das wird nun anders, der Bereich Stiftungen wird aktiv beforscht.
Definition
Eine Stiftung wird allgemein definiert als "Widmung einer Vermögensmasse für
einen bestimmten Zweck durch den Willensakt des Stifters/der Stifterin".
Die Stiftung ist neben dem Verein und der gemeinnützigen Genossenschaft die
hœufigste regierungsunabhängige Organisationsform in Europa.
Seit 1993: Privatstiftungen in Österreich
Neben den rund 900 Bundes- und Landesstiftungen, deren Gemeinnützigkeitsstatus
per Gesetz festgeschrieben ist, sind in Österreich seit 1993 Privatstiftungen
gesetzlich erlaubt. Diese dürfen auch kommerzielle Zwecke verfolgen und üben
als formalrechtliche Möglichkeit individueller Vermögensmassenverwaltung
mit strikter Zweckgebundenheit eine große Attraktivität aus. Das
Gesetz wurde ins Leben gerufen, um Kapital nach Österreich zu holen bzw.
es zu halten, denn die hohen Steuerlasten vor allem in der Nachfolge und Übergabe
von Besitz hatten viele Vermögen abwandern lassen, z.B. nach Liechtenstein
und in die Schweiz.
Der Gründungsboom lässt sich daran
ablesen, dass am 1.1.1996 bereits rund 200 Privatstiftungen gezählt wurden
und es mit
Stand Februar 2007 2.893
Privatstiftungen
gab (Stiftungsrecht. Jahrbuch 2007, Maximilian Eiselsberg, Hg.), weit mehr,
als die Marktforschung in den 90er Jahren für diesen Bereich erwartete!
Schade nur, dass die meisten Privatstiftungen als steuerschonende Ressource
von Familien und Banken angelegt wurden, der Gemeinnützigkeitsgrad wurde
noch lange nicht ausgeschöpft. Zum
Vergleich der Stiftungsszene in Deutschland: dort gibt es nach aktuellen Meldungen
rund 14.000 Stiftungen, und davon sind überwältigende 95 % als gemeinnützig
registriert...
Ist die Privatstiftung primär eine
steuerschonende Vermögensanlageform (z.B. zur Absicherung der Familie bzw.
Nachkommenschaft) oder doch auch ein Beitrag zur philantropischen Kultur des
Landes?
Eine empirische Untersuchung der ersten 365 Siftungsurkunden aus dem Jahr 1996
zeigt, dass bis dato nur rund jede zehnte Privatstiftung eine primär
nach außen gerichtete, gemeinnützige Zwecksetzung aufwies. Eine telefonische
Umfrage von The World of NGOs im Jahr 2002 bei in Wien ansässigen
Stiftungen ergab, dass den meisten Stiftungen die Gemeinnützigkeit inhaltlich
kein grosses Anliegen ist ("Ob unsere private Stiftung gemeinnützig
sind? Da muss ich erst nachfragen, bitte rufen Sie nächste Woche wieder
an...").
Um das Interesse des Finanz- und des privaten Stiftungssektors für gemeinnützige,
wohltätige Zwecke zu wecken und zu stärken, führte und führt
The World of NGOs regelmäßig gezielte Informationsveranstaltungen
zum Thema durch, z.B.:
Basisliteratur zum Thema Privatstiftungen in Österreich:
Eiselsberg, Maximilian (Hg): Stiftungsrecht.
Jahrbuch 2009
ISBN: 978-3-7083-0607-0
Preisinfo: 44,80 Eur
Neuer Wissenschaftlicher Verlag GmbH Nfg KG
Argentinierstraße 42/6
A-1040 Wien
Telefon: +43 1 535 61 03-24
Anfragen
und Bestellungen:
office@amedia.co.at
Arnold,
Stang, Tanzer: Privatstiftungs-Steuerrecht, Teil I,
312 Seiten, Verlag LexisNexis ARD Orac, Wien
2005
www.stiftungssteuerrecht.at
Arnold,
Nikolaus: Kommentar zum Privatstiftungsgesetz in Österreich.
LexisNexis ARD Orac Verlag Wien 2002
Breinl, A.G.: Typologie der Privatstiftung.
Bd 16 der Schriftenreihe der Wirtschaftsuniversität Wien 1997
Harauer, Robert: Die Strukturschwäche
der Zivilgesellschaft in Österreich.
Ein Vergleich mit dem Stiftungswesen in Deutschland. SWS Rundschau Wien 1/2000
Informationen zum Privatstiftungsgesetz: www.privatstiftung.info
Aktuelle Stiftungsliteratur aus Deutschland:
Stiftungen
und bürgerschaftliches Engagement.
Expertise für das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
(WZB)
im Rahmen der Erstellung des Berichts zur Lage und zu den Perspektiven des bürgerschaftlichen
Engagements in Deutschland.
Rupert Graf Strachwitz, Thomas Ebermann und Henrik Neuke
Download unter: www.maecenata.eu/images/Dokumente/Institut/Opuscula/091117op36.pdf
Kapitalist
mit Gemeinsinn.
Ein Essay über Kurt A. Körber
Hermann
Schreiber
Aus Anlass des 100. Geburtstages des Gründers und des 50-jährigen
Bestehens der Körber-Stiftung, verfasste der Moderator, Journalist und
Autor Hermann Schreiber diesen Essay über den Hamburger Unternehmer und
Stifter. Neben seinem strategischen und wirtschaftlichen Geschick zeichnete
Körber aus, dass er sich durch den unternehmerischen Erfolg in der Pflicht
sah, der Gesellschaft etwas von seinem gewonnenen Vermögen zurück
zu geben. "Für mich ist die Stiftung nicht irgendein persönliches
Hobby, das ich mir leiste, wie andere sich aufwendige Hobbys leisten. Meine
Lebensaufgabe sehe ich darin verwirklicht, dass ich die ökonomische Zielsetzung,
nämlich materielle Gewinne zu erzielen, mit der sozial-kulturellen Zielsetzung,
die Gesellschaft, in der und von der ich lebe, durch gemeinnützige Aktivitäten
zu stärken, verbunden habe." Edition Körber-Stiftung, 2009, 224
S., ISBN 978-3-89684-074-5, 20,-€.
www.koerber-stiftung.de/edition-koerber-stiftung/programm/politikgesellschaft/artikel-detailseite/buch/kapitalist-mit-gemeinsinn.html
Islamische
Stiftungen zwischen juristischer Norm und sozialer Praxis
Astrid Meier, Johannes Pahlitzsch, Lucian Reinfandt (Hrsg.)
Der aus einem Workshop zu islamischen Stiftungen entstandene Sammelband, enthält
eine Reihe von Aufsätzen, in denen die Institution der islamischen Stiftung
interdisziplinär behandelt wird. Es wird deutlich, dass die Stiftungen
in vergangenen Tagen einen besonders großen Aufgabenbereich bei der Erbringung
gesellschaftlicher Leistungen wahrnehmen mussten. Die Vielfalt der Stiftungstätigkeiten
und das Fehlen einer allgemeingültigen Definition von Stiftungen im islamischen
Recht, führen dazu, dass das islamische Stiftungswesen besonders schwer
zu charakterisieren ist. Dieses Buch soll dazu beitragen, dass die inzwischen
begonnenen Debatten auf interdisziplinärer Ebene fortgeführt werden.
Berlin: Akademie Verlag 2009. Stiftungsgeschichten, Bd. 5 279 S., ISBN 978-3-05-004612-9,
59.80€
www.akademie-verlag.de/olb/de/1.c.1641259.de
Reichtum
und Vermögen
Zur gesellschaftlichen Bedeutung der Reichtums- und Vermögensforschung
Hrsg.: Thomas Druyen, Wolfgang Lauterbach, Matthias Grundmann
Wohlhabend, vermögend, reich: Was heißt das eigentlich? Auch wenn
Reichtum ein "scheues Wild" ist, sind die Anstrengungen verstärkt
worden, diesen Mythos zu enträtseln. Neben die etablierte Reichtumsforschung
trat die Vermögensforschung. Gemeinsam wurden theoretische Positionen überdacht
und Begriffe wie beispielsweise Verantwortung, Engagement, Ungleichheit, Erbschaften
und Generationen neu diskutiert. Im Anschluss an eine zu diesem Thema durchgeführte
Tagung gibt der vorliegende Band einen umfassenden Überblick zu derartigen
Fragen. Vorgestellt werden neue empirische Ergebnisse und theoretische Positionen
zum gesellschaftlichen Engagement Vermögender, dem Sozialprofil sowie dem
Lebensstil von Reichen und der Genese von Wohlstand und Reichtum.
Wiesbaden: VS Verlag; 2009. ISBN: 978-3-531-15928-7; 298 S; 29.90€
www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-15928-7/Reichtum-und-Vermoegen.html
Länderspiegel
Bürgerstiftungen
Fakten und Trends 2009
Aktive
Bürgerschaft (Hrsg.)
Das vierte Jahr in Folge dokumentiert die Aktive Bürgerschaft die Entwicklung
von Bürgerstiftungen in Deutschland. An der Datenerhebung 2009 beteiligten
sich 90% aller Bürgerstiftungen. Stichtag der Finanzdatenerhebung ist der
31.12.2008. Der "Länderspiegel Bürgerstiftungen" ist eine
Vollerhebung der deutschen Bürgerstiftungen, die den "10 Merkmalen
einer Bürgerstiftung" des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen entsprechen.
Zusätzlich enthält die Publikation eine Beilage "Gemeinsam mehr
erreichen. Volksbanken und Raiffeisenbanken: Engagiert für Bürgerstiftungen"
sowie die Karte "Bürgerstiftungen in Deutschland". Die Dokumente
können auf der Website der Aktiven Bürgerschaft kostenfrei heruntergeladen
werden:
www.aktive-buergerschaft.de/laenderspiegel/
Weitere
Informationen bei www.maecenata.eu
Literatur für die Zielgruppe Frauen:
Schulz, Doris (2001), "FrauenStiftungen: Geld und gute Taten", in if, Informationen für die Frau, Gemeinschaftsproduktion der Frauenreferentinnen der Länder NÖ, OÖ, Tirol, Salzburg, Kärnten, Steiermark und Vorarlberg, November 2001Unterstützen Sie die wachsende Stiftungslandschaft Österreich - falls Sie Informationen zu diesem Thema geben möchten, laden wir Sie herzlich ein, uns diese zur Veröffentlichung weiterzuleiten: office@ngo.at