Civil Society - die Zivilgesellschaft

Die Organisation der Gesellschaft wird neu diskutiert.
Die Anerkennung der "Zivilgesellschaft" erscheint zunehmend als erstrebenswertes Gesellschaftsmodell, das den steigenden Anforderungen politischer Partizipation und den komplexen Problemstellungen unserer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umwelt entspricht.

Merkmale der Zivilgesellschaft (vgl. Brix, 1998):

Im "westlichen Modell" der Zivilgesellschaft geht es offenbar eher um die Entwicklung eines neuen Gemeinschaftssinnes und zur Übernahme von Aufgaben, die bisher der Staat zu leisten hatte. Das mittel- und osteuropäische Modell hingegen scheint sich an der Entmachtung staatlicher Allmacht zu orientieren und hofft auf den Aufbau demokratischer Gegenpositionen.

In Österreich spielte der Begriff der Zivilgesellschaft bis vor kurzem maximal in der Diskussion in Forschungskreisen eine gewisse Rolle, Emil Brix (Herausgeber der ersten österreichischen Veröffentlichung von Beiträgen zum Thema Civil Society) spricht von Österreich als "verspätete" Zivilgesellschaft im europäischen Vergleich: "Die josephinische Tradition hoher staatlicher Regierung, die gesellschaftliche Dominanz politischer Parteien und der Korporatismus haben viel Stabilität, aber wenig Bürgergesellschaft gebracht." ("Civil Society in Österreich", 1998, S. 16)

Die Zivilgesellschaft verspricht als "Netzwerk von Gemeinschaften zwischen Individuum und Staat" einen neuen Lösungsansatz für die Komplexität der modernen Probleme wie Umweltbelastungen, Überbevölkerung, Zerfall traditioneller Familienstrukturen usw.

NGOs und viele ideelle Vereine bekennen sich zu diesem sozialen Agieren unabhängig von einem staatlichen Auftrag in ihren Statuten und Zielen, sie eignen sich dadurch hervorragend zur Stärkung der Zivilgesellschaft.

Diese Stärkung ist auch eine wichtige Herausforderung für die Europäische Kommission, da sie dringend benötigt wird, um der Komplexität der heutigen und zukünftigen Probleme und die gemeinsamen Lösungssuche wirksam zu begegnen.
Zivilgesellschaft darf jedoch nicht als Allheilmittel für alle Probleme gesehen werden, und der Begriff sollte nicht austauschbar mit jenem der Gesellschaft allgemein werden.

Die IG Kultur setzte mit ihrer Konferenz "sektor3/kultur" im März/April 2000 zeitgleich mit dem Symposium "Das Rechtssystem zwischen Staat und Zivilgesellschaft. Zur Rolle gesellschaftlicher Selbstregulierung und vorstaatlicher Schlichtung" der Arbeitsgruppe "Wege zur Civil Society" in der österreichischen Forschungsgesellschaft bedeutende erste Schritt zur Eröffnung einer breiten Diskussion um den Begriff der Zivilgesellschaft.
Nicht zuletzt dank der zugelassenen, ja erwünschten Öffentlichkeit an diesen beiden Veranstaltungen wurde das Thema Zivilgesellschaft plötzlich auch in Österreich sichtbar.